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Scheinermethode
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Beitrag Scheinermethode 
 
Die Scheiner-Methode

(C)Bernd Nies,

19. Februar 2000


Mittels der Scheiner1-Methode kann eine äquatoriale Montierung (z. B. deutsche Montierung
oder Gabelmontierung) ohne Polsucherfernrohr mit etwas Übung innerhalb einer halben
Stunde sehr genau auf den Himmelsnordpol ausgerichtet werden. Eine direkte Sicht
auf den Polarstern ist dabei nicht nötig.

1. Vorbereitungen










Abbildung 1: Die verschiedenen Achsen
und Winkel einer äquatorialen Montierung
deutscher Bauart.


Das Fernrohr muss als erstes so gut wie möglichvon Hand aufgestellt werden. Es reicht, wenn kurz
mit der Wasserwaage überprüft wird, ob die Montierung
gerade steht, und über die Stundenachse
(auch Pol- oder Rektaszensions-Achse genannt)
grob der Polarstern angepeilt wird. Ist der Polarstern
nicht sichtbar, so kann die Lage der Stundenachse
mit einem Kompass und einem Neigungsmesser
oder einer eingravierten Winkelskala korrigiert
werden. Eine Abweichung von einigen wenigen
Grad gegenüber der exakten Lage ist tolerierbar
und genügt bereits für die meisten visuellen
Zwecke.
Ein beleuchtetes Fadenkreuzokular wird in den
Okularauszug des Fernrohrs gesteckt. Besitzen Sie einen Refraktor oder ein Cassegrain, so
benutzen Sie kein Zenitprisma. Dies erleichtert etwas die Orientierung. Das Fadenkreuzokular
wird am besten parallel zu den beiden Achsen ausgerichtet, d. h. ein zentrierter
Fixstern läuft beim hin- und herbewegen des Fernrohrs mittels den Feintrieben parallel
zu einem Faden aus dem Bild. Besitzen Sie ein unbeleuchtetes Fadenkreuzokular, so kann
das Bild mit einer schwachen Taschenlampe an der Objektivöffnung
 des Fernohrs etwas
aufgehellt werden.


1Christoph Scheiner, *1575, y1650, dt. Astronom, führte die äquatoriale Fernrohr-Montierung ein







Abbildung 2: Azimutwinkel-Abweichung der Stundenachse. Das Sudende der Montierung zeigt zu stark
Osten. Ein Stern im Süden läuft in Nordrichtung aus dem Fadenkreuzokular. Zur Korrektur muss die
Montierung in Azimutrichtung (im Uhrzeigersinn) gedreht werden.


2. Korrektur des Azimutwinkels

Man wählt einen geeigneten Stern im Suden, der sich maximal +/-5° vom Himmelsäquator
und maximal +/-1.5 h vom Meridian2 entfernt befindet. Das Fadenkreuz wird nun wie
oben beschrieben ausgerichtet, der Nachführmotor bleibt eingeschaltet. Die ungenaue Ausrichtung
der Montierung führt dazu, dass der Leitstern senkrecht zur Nachführrichtung
herausläuft { also nach Norden oder Süden}.
Azimut-Regel: Muss das Fernrohr in der Deklinationsachse nach Norden gerückt werden,
um den Leitstern wieder im Fadenkreuz zu zentrieren, so zeigt das Südende der
Stundenachse zu stark nach Osten (siehe Abbildung 2). Die Montierung muss also
im Uhrzeigersinn werden.

Wandert der Stern in die andere Richtung aus dem Fadenkreuz heraus (nach Norden),
so muss der Azimutwinkel dementsprechend in die andere Richtung korrigiert werden.
Gleiches gilt auch bei den folgenden Prozeduren für die Korrektur des Polhöhenwinkels.
Die beste Vorgehensweise ist, erst eine grobe Winkeländerung der Azimutachse vorzunehmen,
damit man bewusst etwas über das Ziel hinausschiesst. So kann man sich beim
nächsten Versuch von der anderen Seite her an die richtige Lage iterativ herantasten. Nach
jedem Schritt ein paar Minuten abwarten, in welche Richtung der Stern aus dem Bild läuft
und entsprechend korrigieren. Diesen Vorgang solange wiederholen, bis der der Stern nicht
mehr senkrecht zur Nachführrichtung aus dem Bild läuft, sondern nur noch entlang dieser.
Für die Ausrichtung auf dem Feld zur Fotogra e reicht es meist, wenn der Stern etwa zehn
Minuten mit fast unmerklicher Abweichung Bildmitte bleibt.


[sup]2[/sup]Der Meridian ist die gedachte Verbindungslinie vom geographischen Pol durch den Beobachtungsort.








Abbildung 3: Polhöhenwinkel-Abweichung der Stundenachse. Der Winkel ist zu steil. Ein Stern im Osten
läuft in Nordrichtung aus dem Fadenkreuzokular. Zur Korrektur muss der Polhöhenwinkel verringert werden.


3. Korrektur des Polhöhenwinkels

Hier wird ein Stern über dem östlichen Horizont maximal +/-5° vom Himmelsäquator entfernt
gewählt. Wegen der Refraktion3 soll er jedoch nicht zu knapp über dem Horizont
liegen, aber auch nicht höher als 20° stehen.
Polhöhen-Regel (Osthorizont): Muss das Fernrohr in der Deklinationsachse nach Norden
gerückt werden, um den Leitstern wieder ins Fadenkreuz zu bringen, so ist der
Polhöhenwinkel zu steil (vergleiche Abbildung 3).

Auch hier soll das Fadenkreuz zuerst ausgerichtet werden. Das zuvor beschriebene
iterative Vorgehen endet hier ebenfalls Anwendung. Ist die Sicht auf den Osthorizont versperrt, so benutzen wir die Analogie für den Westhorizont:
Polhöhen-Regel (Westhorizont): Muss das Fernrohr in der Deklinationsachse nach
Norden gerückt werden, um den Leitstern wieder ins Fadenkreuz zu bringen, so ist
der Polhöhenwinkel zu flach.

Soll die Montierung für einen Sternwartenbetrieb dauerhaft und genau ausgerichtet
werden, so empfehlt sich eine iterative Wiederholung der Korrektur für den Azimut- und
für den Polhöhenwinkel bis nur noch jene Abweichung messbar ist, welche durch den
Nachführmotor verursacht wird (z. B. Gangungenauigkeit, periodischer Fehler).


3Lichtbrechung in der Erdatmosphäre, zum Horizont hin zunehmend, bewirkt in der Nähe des Horizonts
eine Hebung des Sternbildes um etwa ein halbes Grad


4. Scheinern\ auf der Südhemisphäre

Die zuvor beschriebenen Korrekturen gelten für die nördliche Hemisphäre. Für die südliche
Hemisphäre verhält sich das Prozedere analog. Es sind lediglich folgende sprachliche
Modifikationen vorzunehmen:
Korrektur des Azimutwinkels: Abbildung 2 muss horizontal gespiegelt werden, da
die Sterne von rechts nach links über den nördlichen Horizont wandern. Norden mit
Süden und Uhrzeigersinn mit Gegenurzeigersinn vertauschen.
Korrektur des Polhöhenwinkels: Abbildung 3 horizontal spiegeln und Norden mit
Süden vertauschen.
Statt Uhrzeigersinn oder Gegenurzeigersinn lässt sich auch allgemein in Richtung der
Sternbewegung formulieren, und statt Norden oder Süden kann auch in Richtung des Pols
verwendet werden. Eine derartig allgemein formulierte Anleitung wäre jedoch weniger klar
verständlich.

Literatur


[1] Rolf Riekher: Fernrohre und ihre Meister, Verlag Technik GmbH Berlin, ISBN 3-341-
00791-1
[2] Markus Hägie: Die Ausrichtung des Teleskops nach der Methode von Scheiner, astro
sapiens 3/92, Seite 74

Weblinks

Astroinfo.org




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